Home80 Jahre ORT in Deutschland

Es gibt acht Stufen der Wohltätigkeit.
Die Höchste ist die, jemanden zu helfen,
sich selbst zu helfen.
Maimonides (1135-1204)

Gründung der World ORT Union. Berlin, Juli 1921




Vor 80 Jahren wurde in Berlin die erste internationale ORT-Konferenz abgehalten.
Sie war der Auftakt zur Gründung zweier neuer Organisationen: die eine war die Vorläuferin der World ORT, die heute ihren Sitz in London hat. Die zweite war der ORT-Verband in Deutschland.

Die Geschichte von ORT begann vor 121 Jahren im zaristischen Rußland.

Sie entsprang der Lage der Juden in Rußland, die sich gemäß eines Gesetzes von 1794 nur in bestimmten Siedlungsgebieten niederlassen durften. Es war ihnen erlaubt nur bestimmte berufliche Tätigkeiten auszuüben, zu denen die Landwirtschaft und handwerkliche Berufe nicht gehörten. Die meisten Juden lebten in großer Armut, sie betrieben kleine Geschäfte, waren Händler oder Hausierer. Man schätzt, daß etwa 25% der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ohne Ausbildung und Beruf waren.

Ein jüdischer Intellektueller, Nikolai Bakst ( ), und ein Eisenbahnerbauer, Samuel Poliakov ( ), hatten im März 1880 einen Fonds eingerichtet mit dem Zweck, die Verbreitung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden zu fördern. Poliakov spendete dem Fonds 25.000,- Rubel, es wurden 10.000 Briefe an potentielle Spender geschickt und Ende Oktober 1880 waren über 2 Millionen Rubel zusammengekommen. Eine Gesellschaft mit dem Namen ORT -
"Obschestvo Remeslennovo I Selskokhozyaistvennovo Truda"
( = Organisation für handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit ) - wurde gegründet.

Eine Folge des Ersten Weltkriegs war die Ausdehnung von ORT auf neue Gebiete. In Litauen, Lettland und Bessarabien, die zuvor zum russischen Reich gehört haben, entstanden neue ORT-Filialen, und 1920 wurde ein ORT-Büro in Paris gegründet.

ORT kommt nach Deutschland

1921 fand in Berlin die erste Konferenz internationaler ORT-Organisationen statt und man beschloß die Gründung der Welt ORT Organisation mit Sitz in Berlin. In Berlin hatte ORT mit der jüdischen Gemeinde und dem Arbeiter-Fürsorgeamt zwei Schneiderwerkstätten gegründet. Als die Nazis in Deutschland die Macht ergriffen, ahnten nur wenige das Ausmaß der furchtbaren Folgen. Viele Juden verstanden, daß sie im deutschen Machtbereich nicht bleiben konnten und waren zur Auswanderung bereit. Um den jungen Leuten eine Berufsausbildung zu geben, damit sie in den Zufluchtsländern eine Arbeit finden konnten, hat der ORT-Verband 1937 eine Berufsschule in Berlin gegründet: "Private jüdische Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger Juden". Die Berliner Lehranstalt war die wichtigste Schule für die berufliche Ausbildung der deutschen Juden. Sie bildete Elektromechaniker, Installateure, Mechaniker und Optiker aus. Im Juli 1938 hatte die schule 215 Schüler. Am 27. August 1939 konnten 102 Schüler, sechs Lehrer der Schule und deren Ehefrauen gemeinsam das nationalsozialistische Deutschland verlassen und in England Schutz suchen.

Am 21. März 1940 ordnete das Reichsinnenministerium die Auflösung des ORT-Verbands Berlin an und ein Jahr später, am 21. März 1941 verfügte Adolf Eichmann die Eingliederung der ORT-Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden, Abteilung Deutschland e.V. in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland.

In DP-Lagern

1945, als das Naziregime besiegt war, wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe offenbar. Von den neun Millionen Juden, die 1939 in Europa wohnten, hatten kaum mehr als drei Millionen überlebt. Auf dem Territorium des ehemaligen Nazireiches lebten hunderttausende Heimatlose in den sogenannten DP(Displaced Persons)-Lagern. Ende 1946 befanden sich in deutschen Lagern 142.847 jüdische DP´s, in Österreich 30.000 und 25.000 in Italien. Die meisten waren zwischen 16 und 24 Jahren alt und ohne Ausbildung. ORT eröffnete die erste Berufsschule in Landsberg in Bayern unter dem Motto "Sorg für dein Zukunft, lern sich a Fach". Ende 1947 hatte ORT 597 Ausbildungskurse in 78 Ausbildungszentren und beschäftigte 934 Lehrer. Anfang 1950 war die Arbeit von ORT in den DP-Lagern abgeschlossen, nachdem dort zwischen 40.000 und 45.000 Menschen ausgebildet wurden.

1950 - ORT wird in Deutschland wieder gegründet

Im Jahr 1958 wurde der ORT-Verband in Deutschland wiedergegründet unter dem Namen ORT Deutschland e.V. (Organisation-Reconstruktion-Training). Es ging nun nicht mehr darum, Schulen und Werkstätten aufzubauen, sondern das Engagement für Projekte in Israel und in Ländern der dritten Welt zu unterstützen. ORT bemüht sich auch darum, Aufgaben und Ziele der Organisation in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und engagiert sich intensiv für Spendenwerbung, damit die internationalen Projekte von ORT finanziert werden können.

Patenschaften

Seit 1994 ist ORT wieder in Rußland und in der ehemaligen Sowjetunion präsent und hat in Moskau, St. Petersburg, Kiew, Odessa und Samara neue Schulen eröffnet.

ORT Deutschland unterstützt diese Schulen und ermöglicht Interessenten, eine Patenschaft eines Kindes in einer dieser ORT-Schulen zu übernehmen.

CD-ROM "Tour durch die Bibel"

ORT will auch die Vermittlung von Wissen über das Judentum verstärken.
"Tour durch die Bibel" heißt die CD-ROM, die jedem, der daran Interesse hat, das Wissen über Torah, jüdische Religion und Tradition vermitteln kann, sei es im Unterricht oder im Einzelstudium. Die CD-ROM richtet sich besonders an junge Menschen, die sich auf ihre Bar- bzw. Bat-Mizwah vorbereiten. Sie ist aber auch so gestaltet, daß Christen, die etwas über das Judentum erfahren wollen, spannend und kompetent informiert werden.

ORT Deutschland folgt, wie alle anderen ORT-Organisationen, der Maxime des großen Rabbis und Philosophen Maimonides (1135-1204): "Es gibt acht Stufen der Wohltätigkeit. Die Höchste ist die, jemanden zu helfen, sich selbst zu helfen".

Home

© ORT Deutschland e.V. · Hebelstr. 6 · D-60318 Frankfurt · Fon +49-69-94343434 · Fax +49-69-94343430
ort@ort-org-deutschland.de