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"Lern sich a Fach"

Kenntnisse in Handwerk und Landwirtschaft halfen beim Aufbau einer menschenwürdigen Existenz



Unter dem Motto "Lern sich a Fach" wandert seit September 1998 eine Ausstellung quer durch Deutschland, in der die Geschichte der Bildungsarbeit von ORT der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Seit den Anfängen im zaristischen Sankt Petersburg ist ORT mittlerweile zur größten internationalen Bildungsorganisation angewachsen.

Historischer Rückblick

Bis zur Gründung von ORT 1880 im zaristischen Rußland gab es für Juden keine Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen. ORT gab finanzielle Starthilfe für die Gründung von Handwerksbetrieben und vermittelte Fachwissen, um die sozialen Umstände zu verbessern. 1921 kam ORT nach Deutschland und erweiterte ihre Idee auf die jüdische Bildungsarbeit.

1937 in Berlin: Gründung einer Handwerksschule für auswanderungswillige Juden, die vor dem nationalsozialistischen Regime fliehen wollten. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde ein Teil der Schüler und Lehrer nach England evakuiert. 1940 ordnete das Reichsinnenministerium die Auflösung des Berliner ORT-Verbandes an.

Nach 1945

Nach Ende des 2. Weltkrieges fand ORT eine neue Aufgabe: in Zusammenarbeit mit der Internationalen Flüchtlingsorganisation "IRO" bot es Berufsausbildungskurse für mehr als 40.000 Menschen an; darunter viele aus den sogenannten DP-Lagern (Displaced Persons). Diese ersten Aktivitäten führten 1958 zur Gründung von ORT Deutschland e.V.
Arbeitsschwerpunkte: Unterstützung zahlreicher ORT-Schulen und ORT-Werkstätten in Israel, Entwicklungshilfe in Dritte-Welt-Ländern seit 1960.

Handwerk und Technologie heute
Bildungsangebote zwischen Tradition und Zukunft

Mit 250.000 Lernenden pro Jahr in allen seinen Schulen ist ORT heute die weltweit größte Berufsbildungsorganisation. Die Lehrpläne sind vielfältig und auf die moderne Arbeitswelt ausgerichtet - sowohl bei der Ausbildung in traditionellen Handwerksberufen, als auch in Seminaren für Automation, Biotechnologie, Flugzeugmechanik oder Architektur.

Die meisten Berufsbildungszentren von ORT sind mit jüdischen Gemeinden in über 60 Ländern verknüpft und stehen jedoch auch nicht-jüdischen Schülern offen. ORT Israel beispielsweise betreibt Schulen in jüdischen wie auch in arabischen Gemeinden. Das pädagogische Ziel ist dabei Toleranz gegenüber Anderen, das u.a. durch das Bekanntmachen mit anderen Kulturen und das Erlernen anderer Sprachen erreicht werden soll.

Neuanfang in Israel
Umschulung und Ausbildlung für Einwanderer

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Staaten in Europa hat sich die Einwanderung von Juden nach Israel verstärkt. Damit sich diese Menschen eine Existenz aufbauen können, beteiligt sich ORT an der Ausrichtung von Sprachkursen, Weiterbildungen und Umschulungsmaßnahmen. ORT schöpft dabei aus jahrzehntelangen Erfahrungen in der Betreuung von Ein- und Auswanderern. ORT engagiert sich auch in den Urprungsländern der Flüchtlinge und Auswanderer. Ein Beispiel dafür ist die Rückkehr von ORT nach Rußland im Jahre 1994. Zusammen mit dem dortigen Kultusministerium eröffnete ORT Schulen in Moskau, St. Petersburg, Kiew und Odessa

Gesellschaftliche Veranwortung und berufliche Qualifikation
Was Jugendliche bei ORT lernen

ORT-Israel betreibt mehr als 130 Lehrstätten als Förderstätten für sozial benachteiligte Jugendliche; darunter befinden sich allgemeinbildende -, Berufsfach- sowie zwei Fachhochschulen. Spezielle pädagogische Programme mit unterrichtsbegleitenden Sprach- und Nachhilfekursen helfen bei finanziellen, sozialen und Einwanderungsschwierigkeiten.

Seit einigen Jahren gibt es Austauschprogramme von ORT-Schulen mit deutschen Berufsschulen. Hier lernen deutsche und israelische Schüler auf spielerische und erlebnisreiche Art und Weise Vorurteile abzubauen. Ein weiteres Beispiel für friedliche Kooperation zwischen allen Bevölkerungsgruppen ist das ORT-Braude-Institut in Karmiel, Israel (Projekte). 1994 wurde diesem technischen College der Status einer Fachhochschule verliehen. Dort studieren Juden und Neueinwanderer aus den GUS-Staaten gemeinsam mit Drusen und Arabern und Studenten aus Europa und Amerika.

Aktiv in den ärmsten Ländern der Welt
Entwicklungshilfe durch Gesundheitsfürsorge, Ausbildung und Beratung in der Dritten Welt

Seit 1960 arbeitet ORT als nichtstaatliche Hilfsorganisation (NGO) in der Entwicklungshilfe. Dort finanziert ORT staatliche wie auch private Projekte in der Gesundheitsfürsorge und Berufsbildung. Diese werden nach einer Förderphase von drei Jahren selbständig von eigens durch ORT ausgebildete Einheimische fortgeführt.

Auf diese Weise wurden bereits 150 Projekte in 44 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas mit Hilfe der Europäischen Kommission, der Weltbank, den Vereinten Nationen sowie den Ministerien verschiedener Staaten realisiert. ORT Deutschland betreut zur Zeit gemeinsam mit WOU, einheimischen Trägern und der Europäischen Kommission Projekte in Mexiko, Peru, Chile, Venezuela; in Ghana, Zaire und Senegal sowie auf den Philippinen. Auf dem Lehrplan stehen Einweisung in Landmaschinenmechanik und Erziehungs- und Gesundheitsberatung für Mütter und Kleinkinder in sogenannten Mutter-und-Kind-Zentren. Kindergärten und Polikliniken stehen zur Verfügung.

Aktiv in den Staaten der GUS
Entwicklungshilfe durch Gesundheitsfürsorge, Ausbildung und Beratung

WOU als Mitglied eines Konsortiums von Hilfsorganisationen unterstützt auch in der ehemaligen Sowjetunion den Aufbau eines Netzes von regierungsunabhängigen Organisationen. ORT bildet dort Fachpersonal aus und entwickelt Unterrichtsmaterial. Dieses Programm ist für fünf Jahre veranschlagt; es nehmen 2.300 Personen teil. Außerdem bildet ORT in den GUS-Staaten Pädagogen aus und unterhält einen Beratungsservice für Firmen.

Tradierte Lehre - virtuelle Welten
ORTNet verknüpft jüdisches Leben weltweit

ORTnet verbindet virtuell und weltweit jüdische Gemeinden. Wer ans Internet angeschlossen ist, kann sich jederzeit über die neuesten Aktivitäten von ORT informieren. Beispielsweise gibt es Infos zu neuen pädagogischen Berufsschulkonzepten oder eine Multi-Media-Tour durch die Bibel. Ein Meinungsaustausch mit einer Schule am anderen Ende der Welt ist ebenfalls möglich.

Friedliches Nebeneinander
ORT Deutschland stellt ein aktuelles Projekt vor

In der nordisraelischen Kommune Maalot-Tarshicha existiert ein jüdisch-arabisches Schulprojekt für friedliches Miteinander. Bereits seit 1984 betreibt ORT dort eine technische Schule; die im arabischen Tarshicha wird in das ORT-Netzwerk mit deutscher Unterstützung aufgenommen. Die Schüler der Teilgemeinden werden zukünftig gleichwertig ausgebildet, erlernen die jeweils andere Sprache und bauen nach Schulschluß durch gemeinsame Veranstaltungen Vorurteile ab.

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